Berlin: re:publica09 Nachlese, Teil 1
Gestern (Freitag, 1. April) sah ich das erste zarte Grün
an einem Strauch in diesem Frühling. Am Abend, als ich von der Abschlussparty
im/am NewThinking Store durch die Tucholsky-Straße zur S-Bahn
schlenderte, standen Cliquen vor den Kneipen und Bars, so einige Männer noch in
T-Shirts. Erst als ich aus der S-Bahn wieder ausstieg, schlaftrunken vom
Absolut-Vodka mit O-Saft, brauchte ich wirklich meine Lederjacke. Hatte ´ne
schöne Unterhaltung mit zwei, manchmal drei Leuten. Wieviele mögen da noch vor
dem Laden gestanden haben? Hundert? Hundertfünfzig? Oder zweihundert.
Zuerst, gegen halbacht, als ich sitzend und in einer hier herumliegenden Zeitung "wikimedium" eines in Berliner Vereins Wikimedia blätterte und dicke Salzstangen zu meinem erstes Glas nibblete, kam eine schlanke Frau um die Endvierziger mit großglasiger Brille (keine Sonnenbrille, so eine Form wie sie heute fast nur noch Spätaussiedler der älteren Generation tragen :-) und dunkelhaarigem Zopf von draußen auf mich zu in einer bestimmten Weise, als kenne sie mich schon und fragte entschuldigend, was das hier ist. Warum dieser Andrang? Kurz darauf erfuhr ich von ihr, dass sie in der Nähe wohnt und nur mal schnell noch Gemüse im Laden kaufen wollte. So spontan wie sie hier hereinkam, erklärte ich, erfreut darüber, jemanden zur Unterhaltung zu haben, was das hier ist. Sie stellte sich unter den Scheffel, meinte sie sei ein Neandertaler in Sachen Computer und Internet. Weiß kaum, was das ist, bloggen. Ich erklärte es ihr. Erzählte, dass dies der Abschluss einer Veranstaltung ist, die vorgestern begann und 1.400 Gäste zählte, aus mehreren Ländern sogar, von der Vielfalt der Bloggerszene, dem Themenreichtum. Und dass die Inhaber dieses Ladens hier diese große Veranstaltung organisiert haben. Ja, wirklich im Friedrichstadtpalast liefen diese Veranstaltungen! Sie war beeindruckt, meinte aber, sie könne sich solcherart Kommunikation mit Menschen nicht gut vorstellen, bei der man vor dem PC hängt. Ja, sie habe schon Internet, aber benutzt es kaum. Eine Freundin habe ihr mal von Blogs erzählt, und von jemandem, der auch bloggt.
Aber sie war neugierig und ließ sich eine ganze Weile von mir erzählen, konnte aber nicht länger bleiben, denn sie musste ja noch was zu essen kaufen. Ich hatte das Gefühl, sie wollte sich weiter informieren. Sie fragte, wie man mit dem Bloggen anfängt. Ich hätte sie auf die im Museum für Kommunikation in der Leipziger Straße seit 20. März laufende Ausstellung "Vom Tagebuch zum Weblog" hinweisen können, die über 300 Tagebücher und Weblogs umfasst (noch bis 30.08.2009).
Schön, dass ich für die Gastfreundschaft hier ein bisschen was zurückgeben konnte. Und dann sah ich, das erste Glas O-Saft mit Wodka in der Hand, diesen schweizer Programmierer an der Glastüre stehen, gesellte mich zu seinem Gesprächspartner. Man ließ einiges der letzten drei Tage Revue passieren.
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