Berlin: re:publica09 Nachlese, Teil 1
Aber so eine Einstellung in die Köpfe der Mitarbeiter hineinzubekommen ist nicht leicht. Veränderungsbereitschaft in Unternehmen ist meist niedrig. Als Beispiel nennt er einen Konflikt mit seiner Frau beim Umgang mit Medien: Sie mag keine Youtube-Videos am Fernseher sehen, wie er.
Das alles erzählt, weil die Blogger diese Schwarmintelligenz besitzen. IBM hat Software zum Wissensaustausch entwickelt. LotusLive ist eine Cloud, die er ihnen anbietet, mal auszuprobieren. Vor zwei Jahren hatte er schon von dieser Software erzählt, aber mehr in der Werden-Form. Da ging es darum, Ideen der Blogger dafür einzusammeln. Jetzt ist sie fertig.
Anthony Volodkin aus den USA bekommt schon vorneweg guten Beifall. Er stellt sein Musikportal The Hype Machine (hypem.com) vor, welches 1,5 Mio Besucher im Monat zählt, 5% aus Deutschland. 1.400 Blogs mit 800 Postings täglich werden beobachtet.
Abends gab es in der Kalkscheune eine Party ab etwa acht. Erst hörte ich was von Fettes Brot, die aber nicht rappen, sondern auflegen würden. Da waren drei bunte Herren aus Hamburg, die dann als "Schwule-Mädchen-Soundsystem", soviel ich sah, vielleicht nicht mal CDs aufgelegt haben sondern mit Tracks vom Computer versuchten, die Leute zum Tanzen zu bewegen. Ihr erklärtes Motto in etwa: "Wir können zwar keine guten Musikübergänge hinlegen, aber die Musik selbst ist doch geil." Erst so gegen kurz vor zehn hatte sich dann vor den DJs eine kleine Gruppe etabliert, die sich rhythmisch auflockerte. Ich gesellte mich für eine halbe Stunde dazu und trat dann den Heimweg an.
Donnerstag, 02.04.2009
Auch heute kann man sich am roten Kaffeemobil der TAZ einen Muntermacher genehmigen, bevor man sich der Sonne entzieht und in den großen, dunklen Saal setzt und angestrengt zuhört (die Akustik lässt zu wünschen übrig.). Der Espresso ist aus ökologischem Anbau und fairem Handel (über gepa). Morgens gibt es im Saal des Friedrichstadtpalast erst mal eine Bitte des Moderators, hier nicht herumzumüllen. Das ist doch, meine ich, ein Zeichen der Unbekümmertheit in der Szene, oder? Bananenschalen, offene Getränkeflaschen, Papier. - Immer wieder nerven diese umfallenden Glasflaschen während der Veranstaltungen, die an den Stühlen zurückgelassen wurden und vom Nächsten nicht bemerkt oder vergessen werden, wenn man mal die Sitzhaltung auf den harten Stühlen im oberen großen Saal der Kalkscheune ändert. Der Appell nützt aber kaum was.
Es gibt noch weitere Aktionen. Die TAZ hatte ich schon erwähnt. Zugegen auch die Aktion Mensch (früher bekannt als Aktion Sorgenkind), die in die Rubrik NGOs gehört. Im NewThinking Store gab es am Abend ja den NGO-Empfang der Aktion Mensch.
Heute gibt es zwei Gebärdendolmetscher, die weiter rechts am Bühnenrand stehen und sich alle 10-15 Minuten abwechseln, zuerst bei der Ansprache unseres obersten Datenschützers, Peter Schaar. Das ist für mich einer der wichtigsten Beiträge der Gesamtveranstaltung, auch wenn da kaum Neues dabei war, was er sagte (Titel: Datenschutz - aktueller Stand in Deutschland), aber ich informiere mich ja fast täglich bei Heise. Schaars Gegenwart und Teilnahme unterstreicht m.E. die Bedeutung dieser Konferenz.
Er nimmt auf aktuelle Themen und Vorfälle Bezug und bittet zum Ende hin uns alle um unser Engagement, Unterstützung für ihn, weitere Leute zu aktivieren. Denn er sieht den Datenschutz, den es seit 30 Jahren in Deutschland gibt, in einer tiefen Krise. Er bedauert, dass da, wo die Bürger schon mal wenigstens die Möglichkeit haben, auf Datensparsamkeit zu achten, trotzdem von sich freiwillig achtlos viel zu viele Daten preisgeben. Auch die Teilnehmerzahlen heutiger Datenschutzdemos sind doch ziemlich überschaubar (ich erinnere mich dabei an eine solche Demo mit anschließender Kundgebung am Brandenburger Tor im letzten Oktober, zu der ich damals was postete). Dagegen gab es vor 25 Jahren große Proteste auf den Straßen gegen die Volkszählung. Schließlich warnte dann auch das Bundesverfassungsgericht vor einer umfassenden Überwachung. Die damals aufgezeigten Schreckensszenarien der Überwachung sind vom Technologischen her gesehen heute gegeben. Liegt darin der Grund für die geringe Beteiligung an dem Aufbegehren gegen die Überwachungs- und Kontrollpläne aus dem Büro unseres Innenministers? Die Angst, heute als Demonstrant erfasst zu werden. Die Kamera ist heute bei Versammlungen ein normales Instrument der Polizei. Was ist aber mit unserem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Das wird doch dadurch ausgehölt, durch die Einschüchterungswirkung der Datenerfassungsinstrumente der Behörden. Aber noch besorgter ist Schaar über die beiläufige Überwachung bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen wie dem Einkauf mit Kreditkarte, Kundenkarte, Nutzung des Handys, über das der momentane Aufenthaltsort ziemlich genau über GPS bestimmt werden kann. Der Einsatz von RFID an [...NEXT]









