Wie bringt man möglichst einfach und günstig sein Fahrrad nach Russland?
Wer im europäischen Teil Russlands bzw. in Zentralrussland Rad fahren möchte, für den kommt neben der Anreise mit Flugzeug vielleicht auch die mit der Eisenbahn oder/und einer Fähre (nach St. Petersburg, Kaliningrad) in Frage. In zwei Teilen bespreche ich diese drei Transportalternativen.
Am besten (bequemsten) wäre ja, man müsste es nicht auseinanderbauen und nach Ankunft wieder zusammenbauen und wenn man es während der Reise immer in der eigenen Nähe wüsste.
Transport von Fahrrädern in Zügen
In deutschen Zügen ist das manchmal machbar, da, wo Platz für Fahrräder ist. Nach den Beförderungsbestimmungen der Bahn dürfen Fahrräder mitgenommen werden, sofern es der Platz erlaubt; sonst entscheidet das Bahnpersonal. Bei zu wenig Platz haben Rollstuhlfahrer und Kinderwagen Vorrang. In der Zeitung der Deutschen Bahn und der S-Bahn Berlin "Punkt 3", Ausgabe 12/2011 steht auf S. 19 eine Übersicht über die Verkehrsspitzen in ausgewählten Regionalzügen ab Berlin. Damit lässt sich herausfinden, wann die Wahrscheinlichkeit höher ist, wegen Überfüllung nicht das Fahrrad befördert zu bekommen.
Gut fand ich in den Interregio-Zügen der 90er die Halterungen, an denen die Räder platzsparend am Vorderrad aufgehängt wurden. Gerade las ich, dass wegen großer Nachfrage mehr Platz für Räder in den Zügen nach Italien geschaffen wird, mit solchen Vorrichtungen übrigens, wie ich auf einem Bild sah, und der Transport der Räder kostet nur 6 €. Komfortabel sind aber auch die roten Doppelstockzüge von Bombardier, die als Regionalexpresszüge oder S-Bahnen in Ballungsräumen unterwegs sind, oder Schienenbusse/Triebwagen im Regionalverkehr (z.B. der ODEG: Zug von Berlin Schöneweide nach Frankfurt/Oder).
Preise in Deutschland
Die Deutsche Bahn verlangt für die Fahrradmitnahme im Nahverkehr bundesweit 4,50 EUR für eine Tageskarte. So eine Tageskarte kann auch kombiniert werden mit einem Schönes-Wochenende-Ticket (dann nicht mehr nur Nahverkehr) oder dem Quer-durchs-Land-Ticket oder mit einem Länder-Ticket (z.B. für das Land Brandenburg). In manchen Bundesländern bzw. bestimmten Verkehrsverbünden gelten abweichende Preise für ein Fahrradticket.
Quelle: www.bahn.de, Stand 18.09.2009.
Aber wir wollen das Rad nach Russland bringen. Solche Transportvorrichtungen in Zügen nach Russland sind mir nicht bekannt....
Nightliner
Ergänzung 17.12.2010: Heute telefonierte ich mit einem Radfernfahrer, der voriges Jahr an einer geführten Radtour in Russland teilgenommen hatte, mit eigenem Rad. Er hatte sich zuvor an einem Schalter der Deutschen Bahn AG selbst informiert und wies mich nun auf einen täglich fahrenden Zug von Karlsruhe bis nach Moskau hin. Der Zug wird in Hannover aufgeteilt: einige Wagen fahren nach Kopenhagen weiter, die anderen eben nach Moskau, über Berlin.
Dieser Nightliner soll einen Gepäckwagon haben, in dem sich komfortabel Fahrräder transportieren lassen. Doch unklar war, ob dieser Wagen bis nach Moskau mitkommt. Der Bahn-Mitarbeiter meinte nur was in der Art, ab der weißrussischen Grenze beginnen die Probleme... Hier muss man also weiter ermitteln. Mein Telefongesprächspartner hatte sich übrigens dann für den Flug entschieden (dazu siehe der zweite Teil).
Auf der Website der Bahn
http://www.citynightline.de/citynightline/view/de/service/komfortklassen/liegewagen/halbgepaeck.shtml bekommt man weitere Informationen, u.a. zum Nightliner. Dort gibt es eine Tabelle mit Strecken, auf denen ein "Fahrradwagen" zum Einsatz kommt und man erfährt, wieviele Plätze für Fahrräder es darin jeweils gibt (zwischen 6 und 20). Nach Osteuropa (einschließlich Polen) gibt es keine Fahrradwagen.
Russische Regionalzüge
In den Regionalzügen in Russland fehlt am Eingang zum Abteil manchmal eine Sitzgruppe mit 2 Bänken. An solchen Plätzen lässt sich das Rad gut abstellen, wie hier im Bild zu erkennen ist.
Aber eine Barriere stellen die Zugbegleiter da. Es ist anscheinend weit unter ihnen verbreitet, die Radfahrer mit ihrem Gefährt (erst mal) nicht reinzulassen. Zumal Ausländer. Da gehen die vielleicht davon aus, dass die das russische Recht in dieser Frage nicht kennen. Wer hier die Nerven nicht verliert und hartnäckig bleibt, sollte ohne Bakschisch kurz vor Abfahrt des Zuges doch noch reinkommen. Man könnte versuche, die Zugbegleiter nach Ihren Namen zu fragen und androhen, dass man sich über sie bei der Direktion im Bahnhof beschweren wird. Leute, die keine Pokernatur sind und sowieso schon Nachteile wegen Nichtbeherrschen der Sprache haben, drücken etwas ab, um sich Stress zu sparen.
Ich habe ein Bild gefunden, auf dem zu sehen ist, wie man platzsparend möglichst viele Fahrräder deponiert. Es ist von einem Teilnehmer an der Goldener-Ring-Radtour, dem Waliser Chris Bell, einem Fahrradtüftler. Mit dem Sattel wird das Rad am Gepäckregal aufgehängt.]
Russische Fernzüge
In den Fernzügen ist es schon schwer, das Rad in den Wagon hochzuwuchten. Das geht nur mit Hilfe von ein, zwei Personen. In den Gängen der Fernzüge ist aber kein Platz. Man müsste es in sein Abteil nehmen. Das geht nicht in einem 4er Abteil. Zwar gibt es in den 4-er-Abteils (Kupe) über der Tür ein größeres Gepäckfach. Und ich sah auch schon ein Bild mit einem verpackten Rad in jenem Fach im Web. Aber erstens kann dieses Fach schon besetzt sein (deswegen müsste man sich schon ein eigenes Abteil reservieren) und zweitens, wenn man das Rad allein hochschaffen muss, ist das nicht ganz einfach. Für die Russland-Radtouren nimmt man vielleicht nicht unbedingt ein leichtes Crossbike.) Das Fahrrad muss eingepackt werden, damit es nichts schmutzig oder gar kaputt macht. Man muss improvisieren. Seile zum Befestigen könnten hilfreich sein.
Im größten Fahrradgeschäft Deutschlands (in Berlin, nahe am ZOB), bei Stadler, gibt es runde Taschen, für die Räder. Pro Tasche etwa 30,- €. Mehr Infos zu Gepäck in der russischen Eisenbahn hier.
Transport in polnischen Zügen
Bei grenzüberschreitenden Fahrten mit Zügen benötigt man eine internationale Fahrradkarte. Sie kostet in Deutschland 10 € inklusive der Stellplatzreservierung und kann auch schon gleich für die Rückfahrt gekauft werden. Innerhalb Polens ist die Fahrradmitnahme in Express- und Regionalzügen erlaubt, vorausgesetzt, man hat eine Zusatzfahrkarte für das Rad.
Transport von Fahrrädern mit Fähren
Am komfortabelsten ist der Transport auf einer Fähre.
Zwischen Deutschland und Russland verkehrt die Translubeca auf der Ostsee. Demnach ist der bequemste Weg für Radfahrer der mit den oben genannten Zügen zu den Häfen, von denen aus die Fähren nach St. Petersburg fahren. Das sind Lübeck und Mukran (bei Saßnitz auf Rügen). Auch 2012 fährt noch keine Fähre von Rostock nach St. Petersburg. Die russische Fährlinie St. Peter Line arbeitet daran, vielleicht wird daraus 2013 etwas. Mit einer Fähre kann man aber von Rostock nach Danzig fahren, vielleicht um dann weiter durch die Masuren nach Kaliningrad zu fahren.
Die Luftbeförderung von Fahrrädern bespreche ich im zweiten Teil.
Link: russische Fahrradtransport-Vereinigung