Zufällige Begegnungen mit Russen in Russland, Teil 1

Berührende, seltsame und komische Begegnungen auf meinen Reisen in Russland hatte ich hin und wieder, die an sich schnell wieder vergessen werden könnten. Aber ich habe einige dieser Begegnungen im Tagebuch festgehalten. Weitere Facetten des Landes.

Bei jeder jener Begegnungen war ich ohne Reisegruppe, ohne einen Freund oder Bekannten, auf mich gestellt.

***

An diesem verlassen wirkenden Schwarzmeerufer an einem trüben Regentag hatte ich eine außerordentlich herzliche Begegnung, der Einladungen auf dem Fuße folgten ...

Herbststimmung am Schwarzmeerstrand
Schwarzer Sand am Schwarzen Meer. Blick in Richtung Kap Konstantin. Dahinter beginnt die Imeretinskaja Bucht und danach Abchasien.

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Ufa, 24. August 2005

Ich steige im Zentrum der baschkirischen Hauptstadt in eine Marschrutka (ein Sammeltaxi) ein. Kurze Zeit später bekomme ich einen Anruf von meiner Freundin in St. Petersburg, rede mit ihr deutsch. So wissen alle Mitfahrer und (unfreiwilligen) Zuhörer, woher ungefähr ich bin. An einer Haltestelle steigt jemand von der Reihe hinter mir aus und gibt dem Fahrgast neben mir, der an der Schiebetür sitzt, einen Zettel, ein aus einem Heft herausgerissenes Stück Papier. Der Nachbar gibt es mir. Das Stück ist auch auf der Rückseite beschrieben.

Das Sammeltaxi fährt bereits weiter, als ich den Zettel lese.

Darauf steht in russisch:

erste Zeile mit Großbuchstaben, bemüht um Leserlichkeit, geschrieben im schwankenden Taxi:

COSMOSRINA@mail.ru

Dann folgt eine Telefonnummer und darunter:

les, metall, uemen.., chimia w Germaniju.

Also: Holz, Metall, ... (vielleicht Bitumen?), Chemieerzeugnisse nach Deutschland.

Jemand, der also Rohstoffe beschaffen kann und an Außenhandel interessiert ist. Auf der Rückseite erkenne ich Buchungsnotizen: "Drucker an Kasse" und "Drucker an ..." Ich habe diese Person gar nicht mal wahrgenommen. Sie saß ja hinter mir und ich bekam den Zettel, ohne mir noch das Gesicht der Person anzusehen. Ich hatte damals keine Verwendung für dieses Angebot und nicht angerufen. Vielleicht war das auch ein Wunsch, in diesen Bereichen in Deutschland zu arbeiten. Ein Wort konnte ich nicht identifizieren.

Heute existiert eine solche E-Mail-Adresse nicht mehr. Habe sie vergebens gesucht.

Sotschi im Oktober 2006

Ich bin am Badestrand und telefoniere mit meiner Freundin in St. Petersburg. Sehe einen jungen Mann, der anscheinend von mir was will, aber 20 Meter Abstand hält, weil ich telefoniere. Vielleicht schnappt er auf, dass ich deutsch spreche. Nach dem Telefonat kommt er auf mich zu und bittet mich, ihm zu helfen. Er muss eine Eisenbahnfahrt nach Jekaterinburg (oder Wladiwostok?) machen und braucht dazu noch Geld.

Ich glaube ihm nicht und gebe ihm einen Korb.

Sotschi im Oktober 2006

Gerade habe ich mir in Adler den Park der südlichen Kulturen angesehen, südlich der Msymtamündung. Ich habe den Park in Richtung Meer über eine Platanenallee verlassen, vorbei an zwei Häuser-Rohbauten, die vielleicht bald Urlaubern Zimmer bieten. Die Küste ist hier ziemlich ungepflegt, kein schöner Badestrand. Ich laufe so dahin in Richtung abchasische Grenze. Gelegentlich kommt ein Fahrzeug vorbei. Es ist mehr ein Weg als eine Straße hier. Ein weißer Lada Niva in meiner Richtung hält, ohne dass ich den Daumen rausgehalten hätte. Denn ich habe wenig Zuversicht, dass mich jemand aufnimmt. Im Niwa sitzt ein schlanker Mann mit Glatze und bietet mir nun an, mich mitzunehmen. Da hier , jetzt im tiefen Oktober und heute bei dem Wetter kaum damit zu rechnen ist, dass hier böse Leute auf Touristen aus dem Westen oder sonstwo her lauern, glaube ich an das Gute in dem Mann im weißen Niwa und steige neugierig ein.

Er nimmt mich mit zu seinem Bruder, der ein Ende weiter an dieser Straße wohnt, an der Imeretinskaja-Bucht. Dessen kleines Häuschen ist von der Straße durch ein Gemüsefeld getrennt. Die Küche ist draußen, unter einem Wellblechdach, mit Sichtschutz zur Straße ebenfalls durch Wellblechplatten, oder Asbestplatten? Das sieht ziemlich provisorisch aus. Der Bruder hat schon Gäste. Wir setzen uns dazu und trinken Tee. Dazu Cremewaffeln und diese trockenen Biscuitringe, die nach gar nichts schmecken, aber auch in jedem anständigen Russlandladen in Berlin zu haben sind.

Und jetzt kann ich mich im Russisch sprechen und verstehendem Hören üben. Dieser Bruder heißt Maxim. Er versteht viel von Geschichte und Religion. Mit seinen Gästen redete er über Politik und Gesellschaft. Ich stelle mich vor und erzähle von dieser Reise, auf der ich mich befinde.

In einem kleinen Zimmer von der überdachten "Küche" aus hat Maxim neben vielen Büchern und dem Bett auch einen kleinen Schreibtisch mit Computer. Doch ein Student ist er, wie es scheint, nicht mehr. Nebenan wird zweites Zimmer renoviert. Eine Heizung muss auch noch eingebaut werden. Bald wird es kalt, der November steht vor der Tür. - Uns ist auch schon etwas kalt und Alexander und ich brechen wieder auf. Er nimmt mich zurück nach Adler, zunächst zur Schule oder Schulhort, wo er seinen Sohn abholt und dann fahren wir zu ihnen nach Hause.

Da gibt es Fleisch, Suppe und Salat zu essen und er zeigt mir sein Haus. Er hat ein paar Zimmer, die er vermieten kann. Insbesondere werden die genutzt von Bauarbeitern, die hier an Hotels mitbauen, an der Straße nach Krasnaja Poljana. Wir sprechen über Autos. Er denkt an die Anschaffung eines gebrauchten deutschen Autos, eines Mercedes-Benz. Weil er eine langsame Internetverbindung hat, zeige ich ihm den schnellen Browser Opera. - Später lerne ich auch seine Frau kennen und als es dunkel ist, bringt er mich mit dem weißen Lada Niwa zurück nach Sotschi, so dass ich nur 2 Minuten zur Wohnung meines Gastgebers und Freundes gehen brauche. Jetzt habe ich noch einen Freund. Und mit dem Bruder Maxim zwei.

Zu dieser Episode mit den Brüdern gab es eine Fortsetzung, die ich aber noch aufschreiben muss.


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