Abzeichen zur Schach-Olympiade in Chanti-Mansysk 2010
Zur Zeit läuft die Schacholympiade in Chanty Mansijsk, Sibirien. Sie begann am 22. September. Die Stadt ist manchem Deutschen vielleicht bekannt durch Biathlon-Weltcups. Vor Abreise nach Moskau las ich Anfang September auf einer russischen Website, dass die Hotels für die Gäste der Schacholympiade (1380 Spieler plus Trainer, Betreuer, Funktionäre) wohl kaum noch fertig gestellt werden und damit eine Blamage drohe. Geldmangel. Laut Chessbase vom Hörensagen sollen aber dann alle Mannschaften doch eine ordentliche Unterkunft bekommen haben. Auf Chessbase habe ich mir die Bilder von der Olympiade angesehen. Die Zuschauerränge in der Spielstätte, eine Sporthalle, sind so gut wie leer. Vermutlich nur zu früh am Tage, mitten in der Woche.
Schach zählte in Russland einmal zu den Nationalsportarten. Das dürfte heute nicht mehr zutreffen, meint mein Freund Ildar in Moskau, der selbst gern Schach spielt. Einige Klubs im Zentrum Moskaus bestehen nicht mehr oder mussten umziehen oder existieren zwar noch, aber ohne eigenes Lokal. Die Mieten sind zu stark gestiegen. Unten zähle ich Schachklubs auf, die nach meiner kleinen Internetrecherche in Moskau (noch) existieren.
Nun bin ich wieder zurück aus Moskau. Es war schön, gleich das Wochenende zum Auspacken und Normalisieren und Regenerieren zu haben. An den letzten Tagen hat es mich doch wieder erwischt: ein Infekt, Folge des Staubes und der Abgase von Autos in Woronesch. Über diese Stadt schreibe ich später noch. So war der Tag meiner Rückreise:
Nach einigen Regentagen in Zentralrussland vorige Woche war der letzte Freitag ein freundlicher Tag, in Moskau wie auch in Berlin.
Weiter geht es in meiner Serie zu den Russland-Visen.
Privatvisa
Diese Art von Visa für Russland eignet sich besonders dann, wenn man privat und nicht im Hotel zu wohnen beabsichtigt und der Einladende nicht den Gang zur Polizei scheut. Um die Abläufe dafür kennen zu lernen, wählten mein Freund in Moskau, der Jurist ist, und ich dieses Privatvisum. Wir wollten mal sehen, wieviel es im Vergleich zu einem Touristenvisum kostet und wieviel Zeit es kostet.
Das ZDF dreht einen Beitrag über das Radfahren in Moskau. Vom ZDF gab es bei dem Moskauer Radsportverein RCTC eine Anfrage, ob man sich zum Filmen und Interview treffen könne. Das erzählte mir der Stellvertreter des RCTC, Wladimir; genauer gesagt, wusste er gar nicht, welches deutsche Programm. Wir trafen uns am Mittwoch (15.09.2010) zu einer mehrstündigen Unterhaltung und er fragte mich am Schluss, ob ich mir das ansehen will, wie das deutsche Fernsehen die Radfahrer filmt und interviewt. Das ließ ich mir nicht entgehen.
Mitglieder des Moskauer Fahrradklubs RCTC vor der ZDF-Kamera auf den Sperlingsbergen
Das Filmteam besteht aus einem Kameramann, einem Reporter und einem dritten Mann, der mit der Ausrüstung hilft. Mit den Radfahrern haben sie sich am 15.09.10 abends um 22 Uhr auf den Sperlingsbergen am Aussichtspunkt (Smotrenny Ploschadj) getroffen, dort frontal vor dem bekannten Gebäude der Moskauer Staatlichen Universität (MGU). Rechts vom Aussichtspunkt steht eine Skisprungschanze. Gerade noch rechtzeitig um 22 Uhr war ich hier angekommen, von der roten Metrolinie 1 aus. Zuerst sah ich nur Hunderte von Motorrädern und deren Fahrern hier oben. Großes Biker-Treffen. Aber ich sah zwei, drei Männer, die Stative aufbauten und eine große Kamera hatten. Kurz darauf, als ich von der Besichtigung der Motorräder wieder an die Stelle kam, waren die Radfahrer vom Klub schon vor der Kamera.
Um den Klubvorsitzenden Dmitri Bogoljubow waren fünf oder sechs seiner Vereinskameraden mit voller Fahrradfahrerkleidung vereint. Etwas abseits hielt sich eine Frau mit einem Nobel-Mountainbike. Ich sprach sie an, ob sie sich nicht auch filmen lassen will. Sie gehört nicht zu ihnen, erklärte sie, aber war interessiert, dass sich das deutsche Fernsehen für die Radfahrer hier interessiert.
Ich hielt mein Diktiergerät diskret hin, hielt aber vorsichtig etwas Abstand. Ob ich deswegen noch etwas aus dem Mitschnitt entnehmen kann, weiß ich jetzt nicht.
Ich hatte noch kurz Gelegenheit, ein paar Worte mit dem Reporter zu wechseln. Seinen Namen wollte er mir nicht nennen. Er ist ein russischer Journalist, der im Auftrag des ZDF arbeitet, spricht gar kein Deutsch. Sein Filmbeitrag soll mit einer Länge von etwa 6 Minuten im Auslandsjournal gezeigt werden am Sonntag übernächster Woche. Das wäre also Sonntag, der 3. Oktober 2010. Er war nicht ganz sicher mit diesem Termin. Vielleicht läuft der Beitrag auch im ZDF Infokanal, denke ich mir, wo ich kein Auslandsjournal am 3.10.10 im ZDF-Programm sehen kann. Etwa in dem Programm "Europa hautnah"? Oder "Ausland kompakt", um 17.45 Uhr?
Nachtrag 28.10.10: Den Film über die Radfahrer in Moskau fand ich jetzt doch noch. Sie sind aber nur ein Teil in einem Beitrag "Schlaflos in Moskau", der am 20. Oktober im Auslandsjournal ausgestrahlt worden ist. Interviewt worden sind noch verschiedene Menschen, die in der Nacht arbeiten, weil Moskau niemals ruht: Sergej mit seinem Transporter hilft beim Umzug, ein Friseurladen, der die Nacht durcharbeitet, ein Baumarkt, ein "Nachtadvokat", der von der Polizei Festgenommene, die in der Nacht verhört werden, aus der Patsche hilft, der Anwalt Sergej Witebskij.
Lange wird der Film nicht abrufbereit stehen, daher hier nur die Webadresse, ohne Direktlink:
14. September 2010: Heute komme ich an dem ersten Internetklub vorbei und nutze die Gelegenheit.
Vorhin kaufte ich Landkartenmaterial und ein Buch mit allen möglichen Statistiken zu Russland ein - das gehört zur Markterschließung Russland dazu.
Schwarzfahrer
An der ersten Metrostation von Wnukowo aus, Jugo-Sapadnaja (Süd-westliche) hatte ich Zeit zum Beobachten der Fahrkartenkontrollautomaten, die blockieren, wenn die Karte ungültig ist. Mein Freund ließ mich mit seiner Dauerkarte vorgehen und ich gab ihm seine Karte. Doch bis er diese wieder benutzen kann, muss er etwas warten. Und so auch ich, vielleicht 10 Minuten.
Die Schwarzfahrer sind vor allem sportliche junge Männer. Die machen Bocksprung über die ausfahrenden Schranken oder sind so fix dicht hinter einer anderen Person, dass sie noch vor den sich schließenden Schranken, die aus der Seite herausfahren, durchkommen. Es gibt zwar einen uniformierten Aufpasser, aber der ist etwa 60 und rennt den Männern nicht hinterher, die dann gleich in der nächsten Metrobahn verschwinden. Auf die wartet man weniger als auf die U-Bahn auf der orangen Strecke nach Steglitz.
Touristen würden sich diese Kühnheit kaum herausnehmen. In Berlin kann man schon mal vergessen, die Karte zu lösen, hier in Moskau nicht. Ich habe mir am Sonntag eine 60er Karte gekauft, um mir jegliches Schlangestehen an der Kasse zu ersparen. 1080 Rubel dafür. Die Karte ist übertragbar. Den Rest bekommt mein Gastgeber.
Deutsche Produkte und Marken
Habe schon einige deutsche Produkte und Werbung fotografiert und Poster, die Konzerte bekannter Musiker und Bands ankündigen. Z.B Leonhard Cohen, Massive Attack und die von mir geschätzten Groove Armada gaben am Sonnabend ein Konzert. Auch Joe Cocker gibt demnächst ein Konzert.
Im Regal eines Lebensmittelladens nördlich vom Bolschoitheater fand ich Schwartaumarmelade, daneben Nutellagläser in einer Größe, die ich in Deutschland noch nicht gesehen habe, mit Inhalt 180 Gramm, zum Preis von 100 Rubeln, also aktuell etwa 2,50 EUR. Gleich daneben Gemüsebüchsen von Bonduelle.
Bei Cerealien ist Nestle (natürlich kein deutscher Konzern) regalbeherrschend. Bei der Discountkette Pjaterotschka sah ich keine andere Marke, kein Müsli aus heimischer Produktion. Wahrscheinlich hat Nestle die Produktion in Moskau. Die Müslipreise sind vergleichbar mit denen in Deutschland.
Werbeposter für Jakobs Kaffee am Lomonowskij Prospekt
Auch der zweitgrößte Lebensmittel-Konzern, Kraft Foods (USA) ist natürlich längst in Russland präsent, z.B. mit Jakobs-Kaffee (siehe Werbeplakat oben). Russen lieben Instant-Kaffee.
Werbung für Elektronikartikel auf russischer Mediamarkt-Homepage mit dem Oktoberfest 2010: "Unsere Preise sind appetitlicher als Du denkst"
Der Touristikkonzern TUI ist jetzt präsent hier, schon mehrere TUI Reisebüros gesehen. Auf dem Lomonossow-Prospekt westlich der Metrostation Universitätskaja sah ich in einem Einkaufszentrum einen Mediamarkt.
Apropos: In der Metro sah ich schon mehrfach Passagiere mit IPad oder Kindle und Co. Mehr als in Berlin.
Bei Klamotten ist Adidas total angesagt. Allein nach Ankunft am Flughafen Wnukowo und dann auf dem Weg zu meinem Gastgeber sah ich mindestens fünfmal Männer mit Adidas-Assessoires, Cap, Hose, Trainingsjacke. Ich habe einen Satz Sportbekleidung dabei. Dachte, ich geh mal mit meinem Freund morgens laufen, denn vor ein paar Jahren beim Besuch in seiner tatarischen Heimatstadt ist er im November in eisiger Kälte sehr früh aufgestanden für den Morgenlauf. - Aber stattdessen stehen jetzt in seiner Wohnung alte Gewichte herum, solche großen Kugeln mit Henkel.
Vierbeinige Begleiter auf dem Wege zum Magasin
In seinem Wohnviertel sah ich auch ein paar Hunde, kleine, meist an der Leine von Frauen, bei alten Frauen gemästete Dackel, so dick wie ich Dackel noch nie gesehen habe. Der eine heute musste nach kurzer Strecke schon ausruhen, der Bauch schleifte fast auf dem Boden. Aber Hundekacke habe ich nicht gesichtet. Es gibt viele Straßenfeger hier.