Die Bahnhöfe in Kasan - weite Wege, wenig Service

Um 7.30 Uhr werde ich, nach vier Stunden des Herumgeschütteltwerdens im Minibus auf glatter Piste (inklusive einer Pause) in Kasan an dem Parkplatz für die Bahnhöfe abgesetzt. Es ist Anfang November. Es ist ein feuchtkalter, trüber Morgen. Es gibt hier drei große Gebäude für die Eisenbahn-Passagiere. Will man in eine nahe Stadt (Prigorodnuj gorod) fahren, muss man sich sein Ticket in dem roten Prachtbau holen. Das ist der Hauptbahnhof (glawnui woksal).

Bahnhof in Kasan, Hauptgebäude
Kasan hat drei große Bahnhofsgebäude. Das älteste ist äußerlich das schönste. Es gibt aber 2006 keinen kostenlosen Wartesaal, der Durchgang zu den Gleisen zwischen den wartenden Passagieren ist eng.
Der ist mir jetzt am nächsten. Dieses Bahnhofsgebäude ist das schönste, zugleich älteste (aber restaurierte) Gebäude, mit roten Steinen, die so aussehen wie die, aus denen das Geschichtsmuseum am Moskauer Roten Platz gebaut ist.
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Nebenan steht ein Bahnhofsgebäude, das ziemlich neu aussieht, der Bahnhof für den Regionalverkehr.

Kasaner Regionalbahnhof
Der Bahnhof für die Regionalzüge

Innen sieht alles neu gemacht aus, sehr sauber, aber auch steril.

Neuer Wartesaal im Kasan Bahnhof
Klinisch sauberer Wartesaal im "Prigorodny Woksal", dem mittleren Bahnhofsgebäude. Offenbar wussten von ihm die Passagiere noch nicht oder der einzige Zugang über die Rolltreppe war öfter gesperrt.
Ich sehe hier zum ersten Mal in Russland Fahrkartenautomaten für Züge. Und Rolltreppe gibt es auch. Das ist auch eine Seltenheit 5 Jahre nach der Jahrtausendwende. Eine Rolltreppe habe ich auch ein paar Tage zuvor in Samara gesehen, einem brandneuen Bahnhof, wie es hieß, der modernste in Russland.

Fernstreckenfahrkarten bekomme ich in diesem neuen und sterilen Bahnhofsgebäude nicht zu kaufen, jedenfalls nicht am Schalter. Am Automaten habe ich es nicht versucht, wollte ja auch Beratung beim Ticketkauf, außerdem bekommt man hier kein Wechselgeld.

Fahrscheinautomaten im Kasaner Regionalbahnhof
Fahrscheinautomaten im Bahnhof für die Regionalbahn. Wechselgeld wird nicht herausgegeben.
Deswegen muss ich mit all meinem Gepäck zum dritten, hintersten Gebäude weiterziehen. Das ist das sogenannte Gebäude für Passagierdienstleistungen. Ich kaufe hier meine Fahrkarte nach Moskau und gebe neben dem Eingang meine schweren Gepäckstücke zur Aufbewahrung ab. Dann warte ich auf Rufia, die Cousine meines Freundes in Almetjewsk, von wo aus ich angereist bin. Bis zum Abend ist Zeit, mir Kasan anzusehen.

Während ich warte, mache ich einen kleinen Rundgang in der Nähe des Bahnhofs. Ich entdecke zwei Hotels. Rufia kam dann auch bald und wir verbrachten ein paar Stunden zusammen in der City.

Wieder am Bahnhhof

Als ich von meiner Tages-Exkursion durch Kasan wieder am Bahnhof anlangte, verbrachte ich dort noch wartend gut anderthalb Stunden. Dumm dabei war nur, dass der Wartebereich in der zweiten Ebene des neuen, mittleren Gebäudes inzwischen abgeschottet war. Er war um 20 Uhr geschlossen worden, die Rolltreppe lief nicht mehr und war abgesperrt. Jetzt fiel mir auf, dass hier eine normale Treppe zur zweiten Ebene hoch fehlte. Viele Fernzüge fahren gerade erst (wieder) abends von Kasan ab. Wo sollen die vielen Passagiere warten? In dem roten Gebäude nebenan gibt es zwei Wartesäle. Der Zugang wird aber jeweils von bediensteten Frauen bewacht. Man kann sich dort nicht einfach hinsetzen. Sie wollen Tickets sehen, vielleicht auch noch den Reisepass. Und dann muss man auch noch bezahlen.

Kostenpflichtige Wartesäle, die als VIP-Wartesäle deklariert wurden, gibt es auch in Moskau im Kasaner Bahnhof (Dort war ich am nächsten Tag. Der WLan-Internetzugang, mit dem am Eingang geworben wurde, funktionierte aber nicht.) und in St. Petersburg im Moskauer Bahnhof.

Sehr ärgerlich war, dass man zu den Bahnsteigen nur durch die Tür in dem roten Bahnhofsgebäude kommen konnte. Nun gab es zwischen dem mittleren Bahnhofsgebäude und dem rechten (, in dem ich mein Ticket gekauft und das Gepäck zur Aufbewahrung gegeben hatte,) ein Tor im übermannshohen Metallzaun. Ich hatte beobachtet, wie die Passagiere vom Bahnsteig als auch solche, die zum Zug wollten, hier durchliefen, als es mal für kurze Zeit geöffnet war: Ein Arbeiter, der vom Bahnsteig kam, schob seine Karre hier durch, schloss dann aber wieder ab.

Der Eingang im roten Gebäude ist wie ein Nadelöhr. Gerade jetzt am Abend, wo die Fernzüge fahren, stauen sich zig Dutzende auf jeder Seite des Eingangs, wenn es nicht gar Hunderte sind. [Foto]

Vor allem Männer unter 35 Jahre nehmen wenig Rücksicht auf Kinder, um deren Gesundheit man wirklich fürchten muss. Ein Beispiel für Bahnhofsmismanagement!

Nächtlicher Bahnhof mit Gedränge
Gedränge am zu kleinen Eingang des alten Bahnhofsgebäudes, der einzige Zugang zu den Fernzügen.
Es schien so, als wollte man die Passagieren gar nicht haben. Ich wartete dann also im hintertesten Gebäude. Man läuft von dort aus schon ein paar Minuten mit schwerem Gepäck bis zu seinem Zug.

Ich möchte also Kasanbesuchern empfehlen, dass sie sich ihr Gepäck rechtzeitig von der Aufbewahrung im dritten Gebäude abholen (möglicherweise man man sich an eine Schlage anstellen) und zum Bahnsteig geht, mindestens eine halbe Stunde vor Zugabfahrt. Es sei denn, der Zaun wurde inzwischen entfernt.

Auf den Bahnsteigen gab es keine Anzeige für die Züge. Es gab auch keine Lautsprecher-Ansagen. Die Fußgängerüberführung über Gleise war ein Ende weg vom Bahnhofsgebäude. Die meisten Leute überquerten deshalb einfach die Gleise. Da die Bahnsteige aber ziemlich hoch sind, benutzte ich lieber die Überführung. Die war auch noch glatt. So brauchte ich einige Minuten mit meinem schweren Gepäck bis zu dem Zug, bei dem ich dachte, das wäre meiner. War es aber nicht und ich musste wieder zurück.

Es waren für mich frustrierende Erlebnisse in den letzten Stunden in Kasan. Als ich in meinem Abteil war und mein Notebook einschaltete, um meine Erlebnisse der letzten Tage zu schreiben, crashte auch noch die Festplatte. Sie hat vermutlich nicht verkraftet, dass ich, einen Moment nicht konzentriert, im Kreml durch ein Metalldetektorgerät gelaufen bin, als ich die Kul-Scharif-Moschee besuchte.

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