Geführter Rundgang durch Sotschi

Ich habe Sotschi intensiv kennen gelernt und bisher kaum etwas darüber geschrieben. Ja, ich habe die Hotels unter die Lupe genommen, das Hinterland kennen gelernt, Freunde gefunden. Wird Zeit, dass ich was dazu schreibe.

Die Franzosen haben in Krasnaja Poljana im Sommer eine Skischule gegründet, erzählte mir mein Freund Pawel aus Sotschi letztens am Telefon. Er wundert sich, dass die Deutschen so passiv sind, wenig wirtschaftliches Engagement in Sotschi zeigen. Kurz vor meinem Besuch in Sotschi waren im September 2007 Leute von der dena (Deutsche Energieagentur) aus Berlin in Sotschi zu Besuch gewesen. Mein Freund hatte sie begleitet und gedolmetscht. Man hatte Gespräche geführt mit ... (der Stadtverwaltung? Ich weiß nicht mehr.)

Der Gouverneur in Krasnodar hat sich schon sehr dafür eingesetzt, Investoren zu werben. Zur Grünen Woche 2008 kam ein Flugzeug voller wichtiger Leute von der Administration in Krasnodar. Zeitgleich gab es die Tage der Russischen Wirtschaft in Hause der Deutschen Industrie- und Handelskammer in der Breiten Straße.

Zum 17. bis 19. September 2009 hatte man von Krasnodar aus wieder internationale Geschäftsleute zur Internationale Wirtschaftskonferenz nach Sotschi eingeladen. Das war die Siebente. Dieses Mal hatten sich weniger Geschäftsleute aus Deutsche angemeldet als letztes Jahr, sagte Pawel. Er hat es wohl in der Sotschier Zeitung gelesen.

Er erzählt mir weiter, dass Professor Sadilow inzwischen das Problem mit den Umwälzpumpen gelöst hat, d.h. Sich für seine Solarthermieanlage effizientere besorgt hat. Nur die Computersteuerung der Solarthermieanlage ist noch ein Problem.

Eine gute Neuigkeit, die Hoffnung macht: Seit dem Monat August besteht die Möglichkeit für Mitarbeiter der Sotschier Universität, ein Kleinunternehmen zu gründen, welches eigene Projekte machen kann, bei denen das Know How der Uni-Mitarbeiter genutzt werden darf und das Unternehmen ein eigenes Bankkonto führen darf. So können Forschungsergebnisse auch wirtschaftlich umgesetzt werden mit Partnern aus der Wirtschaft. Professoren und Doktoren sind knapp an der Uni. Daher wird Sadilow auch über das offizielle Rentenalter hinaus 5-6 Jahre weiter arbeiten dürfen.

Auch neu ist diese Info: Man kann jetzt von Berlin und Leipzig nach Sotschi fliegen, mit der Austrian Airlines, über Wien. Von seinem deutschen Freund der Sohn flog Anfang September von Leipzig aus nach Sotschi, wird dort Praktikum machen (studiert an Uni Jena), studiert dann Russisch neben dem Praktikum an Sotschier Zeitung. Beide, Vater und Sohn, habe ich kennen gelernt während eines Ausflugs von Sotschi aus zum Teehaus Utsch Dere.´

Apropos: Ein junger Freund, den ich im Mai letzten Jahres über ein Netzwerk von Individualreisenden in Rostow kennen gelernt hatte und mit dem ich mich letzten Winter in Dresden wiedertraf, als wir die Schacholympiade besuchten, ist jetzt ein Jahr in Deutschland und muss jetzt nicht nach seinem freiwilligen sozialen Jahr nach Russland zurückkehren. Auch er hat ein Praktikum bekommen und wird in Dresden Sozialpädagogik studieren.

Zehn von Pawels Studenten waren zu Sommerkursen in Bremen. Ein Student seiner Uni hat sogar ein Stipendium für ein Studium in Düsseldorf bekommen und zwei weitere für Bremen.

Pawel hofft weiter auf Gäste aus Berlin und dass ich mich rühre, damit hier was passiert. Also lege ich mich ins Zeug und schreibe über Sotschi...

Hier gibt es die Fortsetzung des Rundgangs durch Sotschi, Teil 2.

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Also - welche Plätze fallen mir in Sotschi ad hoc ein, anderthalb Jahre nach meinem zweiten Besuch? Der Freizeitpark namens „Riviera-Park“. Der ist inzwischen um eine Attraktion reicher: Das Aquarium, oder genauer: das Sotschier Ozeanarium "Geheimnissvoller Ozean". Es sollte im Herbst 2006 längst fertig gestellt sein.

Bunter Eingang zum Aquarium im Rivierapark im Oktober 2006, kurz vor der Eröffnung.

Bei meinem Besuch damals war es das von draußen fast. Es war schon bunt bemalt und wurde von einem Riesenkraken beherrscht, aber ich sah noch ein Gerüst draußen stehen.

Das Okeanium wird beherrscht von einem riesigen Kraken

Vor wenigen Tagen sah ich bei Flickr Bilder aus dem Aquarium, mit gelbem Fisch, ...

Gedenkstein für einen Kosmonauten im Rivierapark

Es gibt hier im Park eine Sammlung von Bäumen, kleine Grabsteine und einige Büsten sowjetischer Kosmonauten. An Witalij Iwanowitsch Sewastjanow konnte ich mich noch erinnern. Hat er nicht mit dem ersten deutschen Kosmonauten Sigmund Jähn im All zusammen gearbeitet?

Die Büste des Kosmonauten Sewastjanow, einem Kollegen von Sigmund Jähn in den 80er Jahren.

Das Weinlokal "Arkadia", das sich zur Verkostung der 40 besten Weine der Südregion anbietet, ist eine Empfehlung wert.

Das Weinrestaurant "Arkadia" im Rivierapark bietet Degustationen regionaler Weine.

Nicht nur kühle süße Weine, nein auch Glühwein ("Glintwein") ist im Angebot. Wer Putin einmal von Nahem betrachten möchte, besucht im Park das Wachsfigurenkabinett, einen fensterlosen Raum an einer Art Straße mit Blumenrabatte. Die ältere Dame, die hier auf Besucher wartet und mich als Besucher geworben hat (Eintritt normalerweise 30 Rubel), behauptete mir gegenüber, die Figuren hier seien von einem deutschen Künstler geschaffen worden. Die Frau langweilt sich sichtlich. Die Hauptsaison ist vorbei. Eine Besucherin des Parks kommt hinzu, folgt der Einladung, ohne den Eintritt zu bezahlen. Ich gehe ihr nach. Sie lässt sich drinnen in einer Gruppe von drei Figuren fotografieren. Ich mache ein Bild von Putin, der heute eine etwas labbrig hängende Anzugjacke trägt.

Putin-Wachsfigur mit einer Anzugjacke, die nicht ganz passt

Nebenan befindet sich eine Galerie mit Bildern einheimischer Maler. Wer Kunst in Sotschi sehen will - sollte einen Besuch nicht auslassen. Hier werden Bilder auch verkauft. Sicher zu einem deutlich günstigeren Preis, als würde man solche Bilder in Berlin kaufen wollen.

Das Gemälde, das in der Galerie im Rivierapark ausgestellt war, zeigt eine Bergwiese in Krasnaja Poljana.

Weiterhin gibt es im Park einen Kakteengarten, eine kleine Achterbahn, ein Riesenrad, ein paar Leute, die hier mit Papagei und Äffchen herumlaufen (Zigeuner?) und diese für ein Posing vor der Kamera anbieten, ein Kino, Restaurants, Stände und Buden wie auf einem Rummel.

Achterbahn im Rivierapark

Neben dem Park befindet sich die Ruine einer Villa, die glanzvolle Zeiten hatte. Hier trieb ich mich auch schon herum. Die Villa gehörte dem Gründer des Parks, V.A. Chludow. Von hier aus bekam ich einen Blick auf ein mit Eisenzaun abgesperrtes Stück Strand, dass zu einer Villa irgendeines Reichen gehört. Da gab es scharfe Wachhunde. Jetzt ist alles noch mehr zugewachsen.

Villa-Ruine mit der typisch russischen Baumauer.

Gehen wir runter zum Strand mit den grauen, anthrazitfarbenen Steinen. Hier kann man einigen sportlichen Aktivitäten nachgehen wie Parachute-Fliegen, Laufen auf dem Wasser in einem gelben überdimensionierten Gummiball, auf der gelben Banane fahren oder Wasserscooter. Dieser öffentliche Strandabschnitt ist nicht sehr breit. Auch auf der anderen Seite ist ein Metallzaun, hier von einem Hotel. Es lässt sich kaum vermeiden, den einen oder anderen fettleibigen Menschen mit auf den Bildern zu bekommen. Man muss sehen, wie man baden geht,wenn man seine Armbanduhr und Geld dabei hat. Da gibt es keinen Unterschied zum Ostseestrand. Aber ich bin ja dabei und passe solange auf.

Auffällig geschmückt präsentiert sich das zweistöckige Restaurant "Kruschka" (dt: "Zum Krug") an der Sotschibrücke.

Geht man hoch zum Kurortnui Propekt, muss man auf einer Brücke die Sotschi überschreiten. Das machen wir jetzt mal. Ja, die, denn gemeint ist der Fluss. Im rechten Winkel zur Küste kommt die Sotschi aus den schneebedeckten Bergen. Wir staunen über den Blick zu den Bergen Adygeas und schauen uns an der Brücke bei einem Kiosk um, an dem Exkursionen angeboten werden, frage dazu eine attraktive Frau. Nein, einen Zettel mit den Angeboten können wir nicht mitnehmen. Die Preise der Touren stehen doch dran. Die Bilder der Exkursionsangebote sind von der Sonne verblasst. Preise gehen in Ordnung. – Solche Stände sehen wir an diesem Tage noch einige, hatten wir auch schon vorhin am Eingang zum Rivierapark gesehen.

An der Brücke befindet sich auf der nördlichen Seite (Neu-Sotschi) ein hübsches Haus, ein Restaurant mit drei Etagen, mit Balkonen zum Fluss hin. Es heißt Kruschka. Das bedeutet Krug oder Bierseidel.

Wir folgen der Straße und kommen an der Hauptpost vorbei und gelangen auf die platanengesäumte Allee des Kurortnui Prospekts, der wichtigsten Straße Sotschis, würde ich sagen. Auf dieser Straße gelangt man weiter bis nach Adler und schließlich Abchasien, immer entlang der Küste. Ein Kinotheater befindet sich hier in der Nähe.

Jetzt sind wir schon im Zentrum. Wie wollen wir uns jetzt entscheiden? In welche Richtung? Sagen wir, erst mal zum Yachthafen ... Denn für das Kino an der Straßenkreuzung ist es noch zu früh. Auf dem Wege zum Meeresbahnhof kommen wir bei Frau Marta vorbei. Die bewirtet uns mit deutschem Essen und deutscher Musik. Ist ja gerade Mittagszeit. Und, ja, auch deutsches Bier. Sprüche von Heinrich Heine zum Bier zieren außen die Fassade des Hauses.

Restaurant "Frau Marta"

"Frau Marta" ist ein Bierhaus. Hier wird deutsche Marschmusik und Volksmusik gespielt, gibt es deutsches Bier, Sprüche von Heinrich Heine zum Bier zieren außen die Fassade. Hierher hatte mich mein Freund Alex am Ende meines Aufenthalts in Sotschi eingeladen; wir aßen Chatschapuri. Das ist ein Gericht aus Adjarien (in Georgien), ein Schiffchen aus Teig, in der Form eines Auges, mit Käse und Ei, mit Kräutern serviert; ich glaube es war Petersilie. Im Volksmund heißen die Dinger auch "Lodka", also Boot. In Adjarien machte ich in den 80ern mal Urlaub, kurz vor Ausbruch der Unabhängigkeitsbestrebungen Adjariens. Meine Bilder von damals sind leider schon sehr vergilbt.

Adresse: Frau Marta, ulitsa sowetskaja 2.

Meeresbahnhof Sotschi

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